Oase 04/2021

Oase des Friedens 04/2021

Vorwort

Dr.Christian Stelzer

Viele von uns verspüren bereits eine gewisse Müdigkeit, wenn sie an Lockdowns und Pandemie denken, und es fällt ihnen schwerer, all die Einschränkungen des Alltags auf sich zu nehmen.

Aber rückblickend lässt sich dennoch feststellen, wie gut wir mit der „neuen Normalität“ schon umzugehen gelernt haben – dem Tragen von FFP2-Masken in öffentlichen Räumen, den Corona-Tests, die man mittlerweile auch beim BIPA bekommt und all den Hygieneregeln, von denen viele selbstverständlich für uns geworden sind.

Vor kurzem war ich eingeladen, eine Sendung in Radio Maria zum Thema „Perspektiven in der Pandemie“ zu gestalten. Als ich in der Vorbereitung darauf die Frage in der Familie aufwarf, ob man auch positive Aspekte in der Pandemie erkennen könne, erhielt ich spontan von unserer jüngsten Tochter die Antwort: „Wir sind als Familie mehr zusammengewachsen.“ Das hat mich gefreut zu hören, denn wir haben tatsächlich versucht, uns an den freien Wochenenden mehr Zeit für Wanderungen zu nehmen und auch für das gemeinsame Gebet.

Worüber wir uns aber als große Glaubensgemeinschaft in diesem Jahr wahrscheinlich alle gefreut haben, war die Möglichkeit, die Osterliturgie wieder gemeinsam in den Kirchen feiern zu dürfen, und auch die Sonntagsgottesdienste. Wie sehr mussten wir das im vergangenen Jahr entbehren!

Wenn ich an positive Ausblicke denke, kommen mir die viele Zeichen der Hilfsbereitschaft in Erinnerung, sie ich in diesem Pandemiejahr erlebt habe, sowohl in der Nachbarschaft als auch global. Da war die Quarantäne für die Gemeinschaft Cenacolo Ende März 2020. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen und einer Besuchersperre bereits eine Woche vor dem staatlichen Lockdown hatte es das Virus gleich zu Beginn der Pandemie geschafft, ins Haus einzudringen und einen Großteil der Bewohner zu infizieren. Das Areal für die Quarantäne wurde von der Behörde mit roten Bändern markiert – eine Tatsache, die einige der Burschen nicht nur als Einengung, sondern auch als Stigmatisierung empfanden.
In diesem Moment geschah etwas Besonderes: Die Gemeindeverwaltung platzierte direkt neben der Absperrung einen großen Kasten mit der Aufschrift „Spenden für Cenacolo bitte hier hineingeben!“, und viele freundliche Menschen reagierten darauf und brachten Lebensmittelspenden, Hygieneartikel und aufmunternde Zeichen, welche die Burschen mit einer Schubkarre ins Haus brachten. Für sie war diese existentielle Erfahrung von Solidarität und Geschwisterlichkeit in der Krise eine starke Ermutigung, sich auf Gottes Vorsehung und seine Güte einlassen zu können.

Auch in unserem Schulernährungsprojekt „Mary`s Meals“ durften wir Zeugen besonderer Zeichen von Solidarität und Hilfsbereitschaft werden. Darüber, dass es den Teams in den Projektländern innerhalb einiger Wochen gelungen ist, sämtliche der über 1,6 Millionen Kinder mit den täglichen Schulmahlzeiten zu Hause zu erreichen, haben wir bereits in vorhergehenden Ausgaben der OASE berichtet. Für viele der Kinder sind die Schulmahlzeiten das einzige Essen am Tag! Darüber hinaus konnte das globale Ernährungsprogramm in diesem Pandemiejahr mit 171.792 zusätzlichen Kindern auf derzeit über 1,8 Millionen, die täglich die Mahlzeiten Mariens erhalten, erweitert werden. Als neues Projektland ist in diesem Pandemiejahr die westafrikanische Republik Niger hinzugekommen, wo Mary`s Meals Kinder in Gefängnissen erreicht, die ohne Gerichtsverhandlung wegen Minimaldelikten, in der Regel wegen Stehlen von Nahrung, monatelang in Untersuchungshaft sitzen.

In ihrer Botschaft vom 25. Februar 2021 sagte uns Maria: „Lebt diese Zeit der Gnade und seid Zeugen der Hoffnung.“ Und am 25. März 2021 erinnert sie uns: „Meine lieben Kinder, wer betet, der fürchtet sich nicht vor der Zukunft und verliert nicht die Hoffnung. Ihr seid auserwählt, Freude und Frieden zu tragen, weil ihr mein seid.“
Vertrauen wir ihren Worten, die wie eine Bestätigung jener des Apostels Paulus aus dem 2. Korintherbrief klingen: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ (2 Kor 6,2) und werden wir zu Hoffnungsträgern, auf die viele unserer Mitmenschen heute mehr denn je warten!

In dieser OASE bringen wir ein beeindruckendes Interview mit Kardinal Philippe Barbarin, das sich während seines Aufenthaltes in Medjugorje zum Jahreswechsel 2020/21 ergeben hat.
Der Priester Dr. Angelo Carobene lädt uns ein, mit ihm die Worte der Gottesmutter vom 25. März zu betrachten.

Eine gesegnete Osterzeit und viel Freude am Lesen wünscht Ihnen

Christian Stelzer

Online Beiträge aus dieser Ausgabe

Botschaft der Königin des Friedens vom 25. März 2021

Liebe Kinder!

Auch heute bin ich bei euch, um euch zu segnen. Meine lieben Kinder, wer betet, der fürchtet sich nicht vor der Zukunft und verliert nicht die Hoffnung. Ihr seid auserwählt, Freude und Frieden zu tragen, weil ihr mein seid. Ich bin mit dem Namen Königin des Friedens hierher gekommen, weil Satan Unruhe und Krieg will. Er will euer Herz mit Angst um die Zukunft erfüllen, aber die Zukunft gehört Gott („ist Gottes“). Deshalb seid demütig und betet und übergebt alles in die Hände des Allerhöchsten, der euch erschaffen hat.

Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!

Betrachtung zur Botschaft vom 25. März 2021- Dr. Angelo Carobene

"Wer betet, der fürchtet sich nicht vor der Zukunft"

Liebe Kinder! Auch heute bin ich bei euch, um euch zu segnen.

Für den Beginn der Passionswoche hat uns die Muttergottes ihren österlichen Segen geschenkt. Ermutigt von ihren Worten, dürfen wir uns in eine existenzielle Haltung einüben, die uns erlaubt, in uns das zentrale Geheimnis unseres christlichen Glaubens zu erneuern. In jeder Osternacht erneuern wir unsere Taufgelübde. Von Neuem möchten wir eintauchen in das befreiende Geheimnis des Todes und der Auferstehung Jesu. Christus, der ewige Sohn des Vaters, ist Mensch geworden, um am Kreuz sein Leben aufzuopfern und uns von der frevelhaften Ungerechtigkeit, die in jeder Sünde versteckt ist, zu befreien und aus uns eine neue Schöpfung zu machen! Indem er die todbringende Ungerechtigkeit, die die Menschen innerlich zerreißt und von Gott, von sich selbst und von den anderen Menschen entfremdet, ohne sie zu verfluchen erlitten hat, hat er die Sünden gesühnt, die uns den Weg zu Gott versperrt haben. Kraft des Glaubens an seinen Tod und seine Auferstehung werden wir in der Taufe von der Erbsünde und von unseren persönlichen Sünden befreit und mit Gott, mit uns selbst und unseren Mitmenschen versöhnt. Zu Ostern hat Christus seinen Aposteln den Frieden gebracht, den die Welt nicht geben kann; einen Frieden, der aus der Tiefe unseres Herzens quillt und uns von niemandem und nichts entrissen werden kann. Mit Gottes Gnade können wir Satan und seinen verwirrenden Versuchungen entsagen und uns von der Liebe Gottes, die uns selbstlos geschenkt wird, neu definieren lassen. Sie gibt uns die personale Würde der Kinder Gottes zurück und macht uns zu Werkzeugen des Friedens und der Freude.

Meine lieben Kinder, wer betet, der fürchtet sich nicht vor der Zukunft und verliert nicht die Hoffnung.

Der Glaube an die (Gratis-)Liebe Gottes, des Vaters, die uns durch die aufopfernde Liebe des Sohnes geschenkt worden ist, hat uns vom Fluch der Sünde befreit und uns mit allem Segen des Himmels erfüllt. Wir gehören zur Gemeinschaft der Heiligen im Himmel und auf der Erde.

Ihr seid auserwählt, Freude und Frieden zu tragen, weil ihr mein seid.

In der Kirche werden uns die Quellen des Heils angeboten, die uns mit der Gnade und Wahrheit Gottes erfüllen können. Wenn wir uns bemühen, uns Zeit nehmen und an uns selbst arbeiten, wird uns durch die kontemplative Betrachtung des Wortes Gottes eine Erneuerung unseres Fühlens und Denkens geschenkt. Im würdigen Empfang der Sakramente dürfen wir die personale Gegenwart Christi erfahren, die uns in seine Liebe hineinnimmt und uns hilft, Entscheidungen zu treffen, die im Einklang mit seiner siegreichen Liebe stehen: Entscheidungen, die dem Heil von uns selbst und dem Heil unserer Mitmenschen dienen. Ja, im Sakrament der Versöhnung heilt Christus unsere Wunden. Wenn wir uns von der Weisheit seines Wortes aufrichten lassen, dürfen wir die Früchte bringen, die er von uns erwartet. Mit unseren Worten und Taten dürfen wir in den Herzen unserer Mitmenschen Samen der Liebe und der Hoffnung säen, die früher oder später gute Früchte bringen werden. Denn die Hoffnung, die wir in Gott setzen, ist gewiss und nicht trügerisch, wie es oft nur rein menschliche Hoffnungen sind.

Ich bin mit dem Namen Königin des Friedens hierher gekommen, weil Satan Unruhe und Krieg will. Er will euer Herz mit Angst um die Zukunft erfüllen, aber die Zukunft ist Gottes! Deshalb seid demütig und betet und übergebt alles in die Hände des Allerhöchsten, der euch erschaffen hat.

Wir alle können uns gegenseitig zum Segen werden. Wir alle haben uns gegenseitig zu respektieren, denn jeder von uns besitzt die einmalige personale Würde eines zum Kind Gottes Berufenen. Das dürfen wir auch dem größten Verbrecher nicht absprechen. Jeder von uns trägt vor Gott die Verantwortung für die personalen Entscheidungen, die er trifft und in Worten und Taten umsetzt, im Guten wie im Bösen. Der Glaube an den Tod und an die Auferstehung Jesu erschließt uns Christen die Intelligenz der schöpferischen Weisheit der Hingabe Jesu am Kreuz. Sie wird uns in der Taufe und in der Beichte geschenkt. Ohne die Gnade Gottes können wir der Sünde und ihren schrecklichen Folgen nicht begegnen und sie nicht besiegen. Durch Gebet und Fasten dürfen wir zu Werkzeugen des Friedens und der Versöhnung werden. Nur mit unseren schwachen Kräften allein können wir der anonymen, inhumanen und unpersönlichen teuflischen List des Bösen nicht standhalten, die sich oft in Machtstrukturen versteckt. In der Hoffnung der Auferstehung Jesu wird uns gestattet, Freunden und Feinden mit der Liebe des Heiligen Geistes zu begegnen. Denn Jesus hat die Macht des Satans gebrochen und uns den Heiligen Geist geschenkt. Schon in der Passion und im Tod Jesu am Kreuz ist sein Sieg verborgen. Christus hat den Tod und die Hölle besiegt, damit wir als freie Kinder Gottes leben können.

Halleluja! Christus ist auferstanden!
Veranstaltungen