Heiliger des Monats – Mai 2016 | Papst Klemens I

Papst Klemens I.

Papst, Märtyrer 

Heiliger des Monats – Mai 2016

Papst Klemens I., der dritte Nachfolger des heiligen Petrus – er löste Linus und Kletus ab, die beide ihr Leben für Christus hingegeben hatten –, ist Kanonheiliger wie seine zwei Vorgänger (Regierungszeit 92 – 101).

Wie Irenäus berichtet, war Klemens ein getreuer Jünger, seit er von den Aposteln Petrus und Paulus bekehrt wurde: „Klemens hat die seligen Apostel Petrus und Paulus noch gesehen, mit ihnen Umgang gehabt, ihre Predigten gehört und die Überlieferung noch vor Augen gehabt.“ Als der gelehrte Römer Klemens auf den bischöflichen Stuhl von Rom erhoben wurde, wusste er, dass er in der Zeit der schlimmsten Christenverfolgung als Märtyrer sterben werde.

Aber als ein Mann lebendigen Glaubens und  glühender Liebe zu Gott und den Menschen nahm er das Amt demütig an. Sein Name bedeutet ‚der Milde, der Gütige‘, und so hat er auch überall Werke der Barmherzigkeit geübt. Unerschrocken versah er sein ver- antwortungsvolles Amt, und es gelang ihm, die durch die schreckliche Verfolgungszeit aufgestörte römische Gemeinde nicht nur zusammenzuhalten, sondern ihr Festigkeit einzuflößen, so dass die junge Kirche trotz aller Drangsale immer stärker wurde. Der un- bestritten echte Brief der römischen Kirche an die korinthische wurde 93/97 von Papst Klemens I. verfasst und fand bald weiteste Verbreitung und größte Wertschätzung. Der Brief will Unruhen in der korinthischen Kir- che beilegen, wo einige untadelige Presby- ter abgesetzt worden waren. Papst Klemens verteidigte die Unabsetzbarkeit der Presbyter und Bischöfe. Daher seien die Abgesetzten wieder einzusetzen. Der Schluss spricht die Hoffnung aus, die Überbringer des Briefes mögen bald mit der Nachricht von der Wie- derherstellung des Friedens zurückkehren. Denn die Vorsteher gehen in ihrer Autorität auf Gott zurück, sind unabsetzbar und grund- sätzlich  von  den  Laien  unterschieden.  Es gibt nur die streng rechtliche Amtsnachfolge auf dem Weg der Einsetzung durch andere Amtsinhaber. Neben dem Hauptthema des Briefes  finden sich Ausführungen  über  die Martyrien der Apostel Petrus und Paulus, die Wohltaten Gottes in seiner Schöpfung und die Auferstehung des Leibes. Die Rechtfertigung kommt aus dem Glauben, nicht aus mensch- licher Leistung. Ein langes Gebet, vermutlich ähnlich den in der römischen Liturgie üb- lichen, steht am Schluss des Briefes, der als Zwischenglied zwischen der neutestament- lichen  und  der  nachapostolischen  Zeit  und als ältestes Zeugnis der römischen Gemeinde höchst bedeutsam ist. Der Brief stellt somit eines der frühesten Dokumente des römischen Primates dar. Das Schreiben war mit großer Weisheit und diplomatischer Behutsamkeit verfasst. Es strahlt lebendige Glaubensfrische und apostolische Kraft aus. Noch lange Zeit ist dieser Brief in den Gottesdiensten des Ur- christentums verlesen worden.

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Papst Klemens I

Bild: Joachim Schäfer – Ökumenisches Heiligenlexikon

Während die Verfolgungen zeitweise ab- ebbten,  versuchte  der  Oberhirte  der  Stadt ein ganz bestimmtes Ordnungsgefüge zu ge- ben. So teilte er Rom in sieben Distrikte ein und bestellte für jeden Bezirk einen Notar, der die Tugenden, Taten und Martern derje- nigen, die ihr Blut für Christus vergossen, aufzeichnen musste. Diese Schriften sind als die „Akten der heiligen Märtyrer“ bekannt. Es wurde aus ihnen zur Belebung und Er- bauung der jungen Gemeinde vorgelesen. Wie sich die Lebensschicksale des Papstes Klemens gestalteten, ist nicht bezeugt. Die frühchristlichen Überlieferungen erzählen hiervon ergreifende Einzelheiten, derer sich die Legende bediente.
Dargestellt wird der heilige Klemens Romanus mit Papstkreuz und Tiara. Er wird angerufen bei Gewitter, Kinderkrankheiten und Stürmen.

Die Legende weiß noch manches mehr zu er- zählen. Der Heilige bekehrte viele Angehörige des römischen Adels, unter denen sich auch die Schwester des Kaisers, Flavia Domitilla, befand. Als die Christen sich heimlich ver- sammelten, um ihren Gottesdienst zu feiern, da schlich sich ihr Gatte hinzu, um zu sehen, was sie dort machten. Gott aber schlug ihn wegen seiner Neugierde mit Blindheit. Als der Edel- mann sich allein nicht mehr entfernen konnte,

gab er sich zu erkennen. Da trat der heilige Papst Klemens zu ihm, betete über ihn und öffnete ihm die Augen. Durch dieses Wun- der vermochte er dem staunenden Heiden nicht nur die Augen, sondern auch das Herz zu öffnen, sodass er sich taufen ließ. Seinem Beispiel folgten viele andere. Der Kaiser aber, dem dies überbracht wurde, ließ Kle- mens ergreifen und auf die wüste Halbinsel Chersonnes (heute Sewastopol auf der Krim) verbannen. Dort befanden sich mehr als zweitausend Christen. Sie mussten schwere Arbeiten verrichten, Steine brechen und nach Erz schürfen. Viele von ihnen starben. Auch der Bischof von Rom musste trotz seines ho- hen Alters in den Bergwerken arbeiten. Er ertrug alle Leiden freudig und ermunterte die Mitgefangenen zur geduldigen Hinnahme. Das Schlimmste war der Mangel an Wasser und der grausame Durst, der sie quälte. Von Mitleid ergriffen, warf Klemens sich auf die Knie und flehte den Herrn um Hilfe in dieser Not an. Während er betete, erblickte er auf einem hohen Felsen ein Lämmlein, welches seinen Fuß emporhielt, als wolle es auf eine bestimmte Stelle weisen. Klemens kletterte hinauf und schlug mit seiner Hacke in den Felsen, und siehe da, sogleich sprudelte eine klare Quelle wohlschmeckenden Wassers hervor. Staunend über dieses Wunder be- kehrten sich von den Strafgefangenen alle jene, die noch nicht Christus bekannten, ja auch die Bewohner der Insel folgten ihrem Beispiel und rissen die heidnischen Tempel ein, um an ihrer Stelle christliche Bethäuser zu setzen.

Als der Kaiser davon hörte, schickte er sei- nen  Landpfleger  Ausidianus  dorthin,  der die Christen von ihrem Glauben abbringen sollte. Doch sah er, dass sie in ihren Qualen immer wieder von dem römischen Bischof gestärkt wurden, der sie zum Ausharren be- wegte. Da ließ er Klemens auf einem Schiff hinaus ins Meer bringen, einen Anker um seinen Hals binden und ihn ins Meer ver- senken, damit die Christen seinen Leib nicht mehr finden könnten. Die am Ufer stehen- den Bekehrten aber beteten inständig, Gottmöge nicht zulassen, dass der Leib des Heiligen auf dem Meeresgrund bliebe. Und siehe, kaum hatte der Landpfleger sich mit seinen Schergen entfernt, da wich das Meer zurück, und eine schöne, aus Marmor ge- baute Kapelle wurde sichtbar. Verwundert stiegen die Christen zu dieser Kapelle hinab und fanden einen steinernen Sarg mit dem

Leichnam des Heiligen. Viele Jahre später erhob der heilige Cyrillus die Gebeine und brachte sie nach Rom, wo sie in der Kirche San Clemente beigesetzt wurden, die schon im 4. Jahrhundert dem Andenken des heili- gen Papstes geweiht worden war und heute noch besteht.

Dr. Johannes Gamperl



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