Leben im Rhythmus der Botschaften

Betrachtung zur Botschaft

Dechant Stefan Reuffurth
Gedanken zu Botschaft von 25.04.2020

Dechant Stefan Reuffurth

In der Abgeschiedenheit bittet den Heiligen Geist …
Rosenkranzgebet im Marienmonat Mai

Plastik! Babyblau! Ein babyblauer Plastik rosenkranz! Und den sollte ich allen Ernstes mit nach Hause nehmen? Als P. Slavko Barbaric OFM mir im Oktober 1987 nach einem Vortrag in seinem Zimmer in Medjugorje diesen Rosenkranz in die Hand drückte, konnte ich es zuerst nicht glauben. „Was für eine Geschmacksverirrung!“, dachte ich mir. Es war der letzte Tag einer Wallfahrt nach Medjugorje, die ich mit der Familie meines besten Freundes unternommen hatte. Ich war damals 20 Jahre alt, ein nicht wirklich gläubiger Lutheraner und konnte im ersten Moment gar nichts mit diesem Rosenkranz anfangen. Eigentlich war ich nur aus Neugier mitgefahren und um mir das „Phänomen Medjugorje“, das ich eher skurril fand, einmal anzusehen. Bevor P. Slavko uns mit seinem Segen entließ, sagte er noch fast beiläufig: „Die Gospa hat die Rosenkränze bei der letzten Erscheinung gesegnet!“ Hatte ich kurz zuvor noch überlegt, wie ich den Plastikrosenkranz so schnell wie möglich pietätvoll entsorgen könnte, steckte ich ihn nach dieser Erläuterung entschlossen in meine Hosentasche. „Er mag zwar geschmacklich fragwürdig sein“, dachte ich mir, „aber den gebe ich sicher nicht mehr her!“ Die Gospa, die Gottesmutter selbst, hatte ihn gesegnet! Großartig! Diesen Rosenkranz habe ich später auch nicht einfach wie eine Art Glücksbringer an den Rückspiegel meines Autos gehängt (dazu wäre er mir dann doch zu babyblau gewesen), sondern ich fing ernsthaft an, damit zu beten. Wohl zum ersten Mal seit Kindertagen habe ich damit wieder regelmäßig zu beten begonnen. Damals konnte ich die Geheimnisse des Rosenkranzes noch nicht auswendig. Daher betete ich zunächst bei jedem der fünf Gesätzchen ein Vaterunser und zehn „Gegrüßet seist du, Maria“. Wenig später lernte ich dann die Rosenkranzgeheimnisse auswendig und betete von da an regelmäßig mit meinem babyblauen Plastikrosenkranz, den ich wie einen Schatz hütete.

Während der Tage in Medjugorje im Herbst 1987 habe ich eigentlich nichts Außergewöhnliches oder gar Wunderbares erlebt. Keine Erscheinung der Gospa, kein Sonnenwunder oder Ähnliches, noch nicht einmal ein Treffen mit den Seherkindern. Aber ich habe die Kirche erlebt! Eine betende Kirche, die mit Freude die Hl. Messe feierte. Ein Gefühl der fast physischen Nähe der Mutter Jesu. Gläubige Menschen aus allen möglichen Nationen, Berufen und unterschiedlicher sozialer Herkunft, die wie eine große Familie miteinander Eucharistie feierten, den Rosenkranz und den Kreuzweg beteten. Dazu unzählige Menschen, die bei Priestern, die damals noch auf Klappsesseln rund um die Kirche verteilt saßen, in allen möglichen Sprachen beichteten. Nie werde ich den tiefen Frieden vergessen, der auf ihren Gesichtern lag und den auch ich in meinem Herzen spüren konnte. Der Rosenkranz von P. Slavko, bzw. das Gebet mit ihm, hat dieses tiefe Gefühl des Friedens und der Freude jedes Mal neu in mir wachgerufen. Nach ein paar Monaten beschloss ich zum katholischen Glauben zu konvertieren und zwei Jahre nach meiner Konversion fasste ich den Entschluss, Priester zu werden. Im August des Heiligen Jahres 2000 war ich wieder in Medjugorje. Dieses Mal als katholischer Priester. Natürlich besuchte ich auch P. Slavko. Ich erzählte ihm von meiner Berufungsgeschichte und der Rolle, die sein babyblauer Plastikrosenkranz dabei gespielt hatte. Er hat sich wirklich sehr darüber gefreut und mich sofort eingeladen, bei den Franziskanern zu wohnen. Tagelang hat er mich überallhin mitgenommen. Wer hätte damals gedacht, dass Gott ihn schon wenige Monate später, am 24. November 2000, zu sich rufen würde?! Ich bin der Vorsehung Gottes unendlich dankbar für diese kostbaren Tage mit P. Slavko, der immer ein großes priesterliches Vorbild für mich bleiben wird.

Doch zurück zum Rosenkranzgebet. Der Monat Mai ist in besonderer Weise der Verehrung der Gottesmutter geweiht. Papst Franziskus erinnert uns in seiner Botschaft vom 25. April daran, wie wichtig dabei das Rosenkranzgebet ist. Der Heilige Vater lädt uns alle ein, „wieder neu zu entdecken, wie schön es ist, im Monat Mai zu Hause den Rosenkranz zu beten. Dies kann man gemeinsam tun oder für sich persönlich.“

Zeit zur persönlichen Bekehrung

Am selben Tag, dem 25. April, hat uns die Gospa in ihrer Botschaft zur persönlichen Bekehrung angeregt und dazu eingeladen, die momentane Abgeschiedenheit zum Gebet zu nutzen: „Meine lieben Kinder, in Abgeschiedenheit bittet den Heiligen Geist, dass er euch im Glauben und im Vertrauen auf Gott stärkt, damit ihr würdige Zeugen der Liebe sein werdet, mit der Gott euch durch meine Anwesenheit beschenkt.“

Auch ich möchte euch daher einladen, dass wir im Marienmonat Mai der Einladung der Gospa und des Heiligen Vaters folgen und ganz bewusst den Rosenkranz beten. Wir wollen dabei auf die Fürsprache der Gospa den Heiligen Geist um Stärkung im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe bitten. In diesem Artikel habe ich meine persönliche Erfahrung von der Kraft und dem Segen des Rosenkranzgebets mit euch geteilt. Aufgrund dieser Erfahrung bin ich sicher, „wenn wir gemeinsam mit dem Herzen Marias, unserer Mutter, das Antlitz Christi betrachten, wird uns dies immer tiefer als geistliche Familie vereinen und uns helfen, diese Prüfung zu überwinden,“ wie Papst Franziskus in seiner Botschaft zum Monat Mai schreibt. Dazu kann man natürlich jeden Rosenkranz verwenden! Er muss weder babyblau noch aus Plastik und auch nicht von der Gospa persönlich gesegnet sein.

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