Oase 03/2024

Oase des Friedens 03/2024

Vorwort

Dr. Christian Stelzer

Fasten ist eine Herausforderung. Das wussten schon die Mönche, als Papst Gregor I. im Jahr 590 den Verzehr von Fleisch von Warmblütlern während der Fastenzeit verbot. Für die Klosterküchen erlaubt war nur das, was im Wasser lebte, und dazu gehörten neben Fisch auch Biber und Fischotter. Oder bisweilen auch ein Ferkel, wenn es ins Wasser fiel, wie heitere Fastengeschichten berichten (www.katholisch.de).

Die frühe Kirche kannte aber auch eine andere Fastenzeit, in der es darum ging, Gottes Gegenwart wie im Sakrament erfahrbar zu machen. Die Fastentage waren Stationen, „Wachtposten“, an denen man wacher als sonst auf Gott hin lebte. Zugleich verband das Fasten die Christen in einer Gemeinschaft. Fasten war somit keine Privatsache, sondern stand im Zusammenhang mit der Liturgie und wurde gemeinsam praktiziert.

Auch in Medjugorje hat das Fasten eine lange Tradition. Vor allem während der ersten Jahre der Erscheinungen folgten viele im Dorf dem Aufruf der Königin des Friedens zum strengen Fasten. Ich erinnere mich noch gut daran, wie sehr das Fasten die Dorfbewohner miteinander verbunden hat. Aus keinem Haus drang mittwochs und freitags der Geruch von Gebratenem. Im Winter gab es statt Wasser vielleicht Früchtetee und zum Brot einen Apfel. „Beginnt mit ganzem Herzen zu fasten!“, war der Aufruf der Gottesmutter, der Gospa, und die Antwort der Gläubigen war ein Zeichen ihrer Dankbarkeit, weil Gott erlaubt hat, dass die Gottesmutter so lange in ihrer Pfarre bleibt. (vgl. Botschaft vom 20.09.1984)

„Durch das Fasten werdet ihr erreichen, dass der gesamte Plan, den Gott hier in Medjugorje vorhat, verwirklicht wird“, ermutigte die Königin des Friedens die Gläubigen am 26.09.1985.

In den vergangenen Jahren sind wir vielleicht müde vom Fasten geworden oder vielleicht haben wir resigniert, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass es nicht so gut funktioniert, einen Tag lang bei Brot und Wasser zu leben. Die Einladung zu fasten begleitet uns dennoch durch all die Jahre. Und wir haben vielleicht begonnen, auf verschiedene Dinge zu verzichten, die für uns unnütz sind (vgl. Botschaft vom 13.02.1986).

Die Einladung der Gospa zum Fasten besteht aber bis heute. Eindringlich hat sie uns am 25. Oktober 2023 dazu aufgerufen: „Liebe Kinder! Die Winde des Bösen, des Hasses und des Unfriedens wehen über die Erde, um die Leben zu zerstören. Deshalb hat mich der Allerhöchste zu euch gesandt, um euch auf den Weg des Friedens und der Einheit mit Gott und den Menschen zu führen. Ihr, meine lieben Kinder, seid meine ausgestreckten Hände: Betet, fastet und bringt Opfer dar für den Frieden – der Schatz, nach dem sich jedes Herz sehnt. Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.“ 

In diesen Wochen erinnern wir uns, wie Jesus 40 Tage     lang in der Wüste gefastet hat. Als der Versucher an ihn herantritt, gibt er Antworten, die wir uns einprägen und am besten auswendig lernen sollten: 

1) Der Mensch lebt nicht nur vom Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.

2) Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.

3) Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. (vgl. Mt 4,4-10)

Nützen wir diese Zeit und tun wir unserem Geist etwas Gutes, indem wir mehr beten. Tun wir unserem Körper Gutes, indem wir fasten, und unserem Herz, indem wir Almosen geben. Gehen wir Ostern mit großer Hoffnung entgegen. „Seid ihr, liebe Kinder, das Licht, die Liebe und meine ausgestreckten Hände in dieser Welt, die sich nach Gott sehnt, der die Liebe ist“, sagt uns die Gottesmutter in ihrer Botschaft vom 25. Februar als Vorbereitung auf Ostern.

In dieser OASE lädt uns Pater Marinko Šakota ein, die Worte der Gottesmutter vom 25. Februar mit ihm zu betrachten. 

Wir erinnern uns in diesem Monat an die Worte der Königin des Friedens, mit denen sie uns zum Fasten einlädt, und lassen junge Menschen zu Wort kommen, die das Fasten praktizieren und die Fastenzeit mit großer geistlicher Freude leben.

Und wir bringen die Geschichte des 13-jährigen Lewte aus Äthiopien, der ohne die Hilfe von Mary`s Meals nichts zu essen hat.

Viel Freude am Lesen, eine gesegnete Fastenzeit und frohe Ostern wünscht Ihnen Christian Stelzer