Vandalismusakte kurz vor Beginn des „Mladifest“ in Medjugorje

Einige Tage vor Beginn des Internationalen Jugendgebetstreffens, zu dem in Medjugorje wieder rund 50.000 Jugendliche erwartet werden, erschütterten mehrere Vandalismusakte den herzegowinischen Wallfahrtsort. Dabei wurden in den frühen Morgenstunden des 28. Juli mehrere Marienstatuen auf dem Erscheinungsberg Podbrdo und am sogenannten Blauen Kreuz mit schwarzer Farbe beschmiert, Transparente mit Botschaften gegen Medjugorje und die Seher angebracht sowie der Außenaltar der Pfarrkirche in Brand gesetzt. Das Feuer konnte jedoch rasch gelöscht werden.
Noch am selben Tag konnte durch eine groß angelegte Fahndung in der Ortschaft Černo bei Ljubuški der Tatverdächtige festgenommen werden. Über ihn wurde die Untersuchungshaft verhängt. Dem 31-jährigen polnischen Staatsbürger wird die Beschädigung beziehungsweise Zerstörung religiöser Objekte vorgeworfen. Nach bosnischem Strafrecht droht dafür eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.
Unterdessen hat der Wallfahrtsort die Folgen des Angriffs innerhalb weniger Stunden weitgehend beseitigt. Mitglieder der Pfarrgemeinde, Jugendliche der Gemeinschaft Cenacolo sowie zahlreiche Freiwillige entfernten die Schmierereien an den Marienstatuen auf dem Erscheinungsberg Podbrdo. Die Arbeiten begannen nach Angaben der Pfarre bereits am frühen Morgen und dauerten bis zum Abend an.
Gebetsprogramm wird fortgesetzt
Auch der durch den Brand beschädigte Außenaltar der Pfarrkirche St. Jakobus wurde noch am selben Tag instand gesetzt. Das abendliche Gebetsprogramm mit Rosenkranz, Eucharistiefeier und Eucharistischer Anbetung konnte deshalb wie vorgesehen am Außenaltar stattfinden. Während der Anbetung versammelten sich zahlreiche Gläubige zu einem Gebet der Wiedergutmachung. Fotos zeigen Mitglieder der Gemeinschaft Cenacolo kniend vor der wiederhergestellten Marienstatue.
Die Pfarre Medjugorje bekräftigte erneut ihren Aufruf, auf die Ereignisse „mit Gebet, Fasten und Vergebung“ zu antworten und für die Umkehr des Täters sowie für den Frieden zu beten. Das Heiligtum bleibe uneingeschränkt für Pilger geöffnet, alle liturgischen Feiern und auch das am Samstag beginnende Internationale Jugendfestival „Mladifest“ würden wie geplant stattfinden.
Wider die „schwarze Chronik“
Noch am Dienstagabend konnte der Gottesdienst am wiederhergestellten Außenaltar hinter der Kirche stattfinden. Hauptzelebrant Vinko Bacak aus den Reihen der Franziskaner deutete dabei das Gleichnis vom Weizen und Unkraut vor dem Hintergrund der Ereignisse des Tages. Die Welt sei häufig durch eine „schwarze Chronik“ geprägt, in der das Böse die Schlagzeilen beherrsche, Angst auslöse und den Frieden erschüttern könne. Gott höre aber nicht auf, sein gutes Wort auszusäen und seine Gnade zu schenken. Der christliche Glaube leugne die Existenz des Bösen nicht, sondern helfe zu verstehen, woher es komme und wie leicht es im Herzen des Menschen Wurzeln schlagen könne.
Zugleich mahnte der Franziskaner zur Geduld im Umgang mit den Fehlern anderer. Christen seien versucht, vorschnell zu urteilen oder zu verurteilen, doch Gott selbst handle anders. Er verwies auf den heiligen Augustinus und den heiligen Franziskus, deren Lebenswege zeigten, dass aus Menschen, die zunächst in die Irre gingen, große Heilige werden könnten. Wer das „Unkraut“ zu früh ausreiße, laufe Gefahr, auch den Weizen zu beschädigen. Deshalb gelte es, Gottes Geduld nachzuahmen und auf die verwandelnde Kraft seiner Gnade zu vertrauen, so Bacak.
Tatverdächtiger war Medjugorje-Pilger
Der Tatverdächtige war in seinem Heimatland Polen durch Berichte über seine Pilgerfahrt nach Medjugorje – er war im Jahr 2017 im Alter von 22 Jahren zu Fuß von Warschau nach Medjugorje gepilgert – sowie durch seine Bekehrung zum katholischen Glauben bekannt geworden.
Das Motiv der Tat ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Polnische und bosnische Medien sowie Bekannte aus seinem Umfeld wiesen darauf hin, dass er in den vergangenen Jahren mit schweren Lebenskrisen und psychischen Problemen zu kämpfen hatte.
kathpress

