TRAUER UM PIONIER DER MEDJUGORJE-BEWEGUNG IN ÖSTERREICH

Praelat Johannes Gamperl

TRAUER UM PIONIER DER MEDJUGORJE-BEWEGUNG IN ÖSTERREICH

TRAUER UM PIONIER DER MEDJUGORJE-BEWEGUNG IN ÖSTERREICH
Mit Prälat Johannes Gamperl starb „einer der ersten, die Medjugorje theologisch reflektierten und dessen Botschaft der Erneuerung der Kirche erkannten“

Graz, 25.11.2019 (KAP) Die Mitglieder der Medjugorje-Bewegung in Österreich – jene Priester, Diakone und Gebetsgruppen, die sich in ihrer Spiritualität insbesondere auf den Wallfahrtsort in der Herzegowina berufen – trauern um Prälat Johannes Gamperl. Der am 18. November mit 83 Jahren verstorbene frühere Rektor des Seminars bzw. Gymnasiums Sachsenbrunn (NÖ) habe als erster kirchlicher Verantwortungsträger Österreichs Medjugorje besucht, das dortige Geschehen theologisch reflektiert, dessen Botschaft der Erneuerung des geistlichen Lebens der Kirche erkannt und diese für Österreich fruchtbar gemacht, erklärte Christian Stelzer, Leiter der katholischen Gebetsgemeinschaft „Oase des Friedens“ und Organisator des jährlichen Medjugorje-Friedensgebetes im Wiener Stephansdom, am Montag gegenüber „Kathpress“.

Das Verdienst des Geistlichen sei es gewesen, „sich dem Phänomen Medjugorje nicht sensationsheischend, sondern aus dem Blick fundierter Bibelwissenschaft zu nähern und aufzuzeigen, dass es sich dabei um eine Aktualisierung des Evangeliums für unsere Zeit handelt, übereinstimmend mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil“, würdigte der Gebetsgruppen-Leiter den Verstorbenen und dessen zahlreiche Buch- und Zeitschriftenpublikationen. Im Februar 1985 habe Gamperl, damals auch Autor der Zeitschrift „Miteinander“ des Canisiuswerkes, in diesem Medium über die – vom Vatikan bislang nicht anerkannten – Marienerscheinungen in Medjugorje berichtet. „Diese Ausgabe musste nachgedruckt werden und erreichte eine ihrer höchsten Auflagen überhaupt“, sagte Stelzer.

Kurz darauf habe Kardinal Franz König (1905-2004), der damals regelmäßig in Sachsenbrunn seinen Urlaub verbrachte, Gamperl zu sich zitiert und ihn ausführlich zu den Marienerscheinungen befragt, berichtete Stelzer. Der Erzbischof habe Gamperl daraufhin ausdrücklich darin unterstützt, öffentlich über Medjugorje zu sprechen, und sei durch ihn über die dortigen Entwicklungen immer bestens informiert gewesen.

Sprachrohr und Berufungs-Förderer

Gamperl sei somit zum „Sprachrohr für Medjugorje in Österreich geworden, in einer Zeit, in der sich wegen der innerkirchlichen Auseinandersetzungen mit dem für Medjugorje zuständigen Ortsbischof von Mostar kein Bischof im deutschen Sprachraum in den Wallfahrtsort zu fahren getraute“, schilderte Stelzer die Begleitumstände. Eine allmähliche Veränderung dieser Situation habe es erst infolge des Besuchs von Kardinal Christoph Schönborn zum Jahreswechsel 2009/2010 gegeben. Der Grundkonflikt sei dann von Papst Franziskus aufgelöst worden, als er 2018 einen eigenen Apostolischen Administrator für Medjugorje einsetzte und offizielle, d.h. von Bischöfen geleitete Pilgerfahrten in den bosnischen Ort erlaubte.

Gemeinsam mit dem Spiritual von Sachsenbrunn, Kurt Knotzinger (1928-2010), habe sich Gamperl von Anfang an für die Übersetzung und Verbreitung der Monatsbotschaften von Medjugorje eingesetzt und Pilgerfahrten dorthin begleitet. Während Knotzinger die Botschaft von Medjugorje für das Glaubensleben allgemein reflektierte – nämlich als Impuls zur Rückkehr zum spirituellen Leben und zum Vertrauen in Gottes Vorsehung -, habe Gamperl diese auf die Priesterberufungen bezogen. „Sein besonderes Charisma war, Menschen beim Finden ihrer Lebensberufung zu unterstützen. Höhepunkt war der Maturajahrgang 1986, als sich zehn Schüler aus Sachsenbrunn für ein Priester- oder Ordensleben entschieden“, unterstrich Stelzer.

Zudem habe Gamperl Mitte der 1980er-Jahre die „Gebetsgemeinschaft Sachsenbrunn“ gegründet, die rasch auf 3.000 Mitglieder angewachsen sei, leitete zahllose Einkehrtage und war Spiritual der Gebetsgemeinschaft „Oase des Friedens“ in Wien, in der laut Stelzer viele junge Menschen ihre Berufung zum Priestertum oder aber zum Familienleben fanden. „Er war ein Spiritual und geistlicher Begleiter der Medjugorje-Bewegung in Österreich“, so der Mediziner und „Oase“-Leiter über den Verstorbenen. In Gamperls jahrzehntelanger Publikationstätigkeit entstanden u.a. eine neunteilige Buchserie „Ein Weg mit Maria“, umfassende Werke über die Heilige Messe und das Vaterunser sowie viele Zeitschriftenbeiträge.

Zuletzt Krankenhausseelsorger

Gamperl wurde am 4. Februar 1936 in Grametschlag (NÖ) geboren, studierte in Wien Theologie und wurde 1960 zum Priester geweiht. Nach Kaplansjahren in Poysdorf wurde er im erzbischöflichen Seminar in Sachsenbrunn bei Kirchberg am Wechsel Studienpräfekt, dann Rektor und Direktor des erzbischöflichen Gymnasiums. In dieser Zeit erlangte er das Doktorat der Theologie im Bereich Bibelwissenschaft und unterrichtete Religion am Gymnasium. Nach seiner Pensionierung 2001 publizierte Gamperl, der zeitlebens an schwacher Gesundheit litt, weiterhin rege. Er war zudem als Seelsorger insbesondere für Sterbende im Marienkrankenhaus in Vorau tätig, wo er selbst am 18. November verstarb und am 24. November die Trauermesse für ihn gefeiert wurde. Das Begräbnis findet am 29. November um 14 Uhr in der Pfarrkirche Gschaidt (Bezirk Wiener Neustadt) statt.



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