Medjugorje – spirituelle Lunge Europas

Dr. Christian Stelzer

Medjugorje –
spirituelle Lunge Europas

Mit der Entsendung von Erzbischof Henryk Hoser als Apostolischen Visitator für Medjugorje hat die Kirche die guten Früchte von Medjugorje offiziell anerkannt.

Am 31. 5. 2018, dem letzten Tag des Marienmonats Mai, ernannte Papst Franziskus den polnischen Erzbischof Henryk Hoser aus Warschau-Praga zum Apostolischen Visitator für Medjugorje und nahm damit die Geschicke des Pilgerortes in seine Hände. Mit sofortiger Wirkung und auf unbegrenzte Zeit wurde Erzbischof Hoser die Zuständigkeit für die pastorale Entwicklung dieser außerordentlichen Gebetsstätte übertragen.

Etwas mehr als ein Jahr zuvor, am 11. Feber 2017, dem ersten Erscheinungstag von Lourdes und Welttag der Kranken, hatte der Hl. Vater, Papst Franziskus, Erzbischof Hoser zum Sonderbeauftragten für Medjugorje bestimmt, damit er sich ein Bild über die seelsorgliche Betreuung der Pilger und deren Bedürfnisse mache. Die jetzige Mission des Apostolischen Visitators hat zum Ziel, eine ständige und dauerhafte Begleitung der Pfarrgemeinde von Medjugorje und der Gläubigen, die sich dorthin auf Pilgerschaft begeben, sicherzustellen.

Der Apostolische Visitator ist Beauftragter des Papstes und mit besonderen und umfassenden Befugnissen und Vollmachten ausgestattet.

Er könnte auch für eine gesamte Diözese eingesetzt werden und damit, im Auftrag des Papstes, die gesamte Amtsführung des Diözesanbischofs überprüfen. Die Aufgabe von Erzbischof Henryk Hoser betrifft den Pilgerort Medjugorje.

In den vergangenen Monaten hatte ich Gelegenheit, Erzbischof Hoser zu begegnen. Vor seiner Ernennung durch Papst Franziskus zum Sonderbeauftragten war er nie in Medjugorje gewesen. Dennoch gewann ich im Gespräch den Eindruck, dass er sich bereits ein genaues und unvoreingenommen Bild von den Ereignisse vor Ort gemacht hatte, mit dem diagnostischen Blick eines Arztes, der er auch ist Erzbischof Hoser hatte ja vor seinem Eintritt in den Orden der Pallottiner ein Medizinstudium in Warschau absolviert und als Assistenzart gearbeitet.

Später wirkte er als Missionar in Ruanda und leitete ein Zentrum für Gesundheits- und Sozialdienste. Er entwickelte ein Programm zur psychischen, medizinischen und sozialen Betreuung von AIDS-Kranken.

Seiner Gabe zu einer exakten und objektiven Wahrnehmung entspringen auch seine Aussagen zu Medjugorje. „Nach Medjugorje kommen Pilger von fernen Orten, aus ungefähr 80 Ländern der Welt. Um diese Entfernungen zu überwinden, bedarf es einer festen und tatkräftigen Motivation. Aber warum kommen jedes Jahr so viele Pilger nach Medjugorje?“, stellt Erzbischof Hoser beim feierlichen Gottesdienst anlässlich seiner Amtseinführung in Medjugorje am 22. Juli dieses Jahres vor tausenden Gläubigen die rhetorische Frage, um dann selbst die Antwort zu geben: „Sie kommen, um jemanden zu treffen, um Gott zu treffen, um Christus zu treffen, um seine Mutter zu treffen. Und anschließend, um den Weg zu erkennen, der sie zur Lebensfreude im Hause des Vaters und der Mutter führt; und schlussendlich, um den Weg Mariens zu erkennen, als den sichersten Weg. Das ist der Weg der Marienverehrung, der sich hier bereits jahrelang vollzieht…“ Dann betont der Erzbischof in seiner Predigt: „So schaut die Religiosität des Volkes in Medjugorje aus: Im Mittelpunkt stehen die Hl. Messe, die Anbetung des Allerheiligsten Sakraments, die fast durchgängige Möglichkeit, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen, und dies wird von all den restlichen Formen der Religiosität begleitet: den Gebeten des Rosenkranzes und des Kreuzweges, welche die anfangs spitzen Steine in glatte Fußwege verwandelt haben.“

Medjugorje biete Raum für die göttliche Gnade durch die Fürsprache der Gottesmutter, die an diesem Ort als „Königin des Friedens“ verehrt werde. Und es sei wohl wahr, so der Apostolische Visitator weiter, „dass die Welt Frieden dringend nötig hat: den Frieden im Herzen eines jeden Einzelnen, den Frieden in der Familie, den sozialen Frieden und den internationalen Frieden, so sehr ersehnt durch alle und insbesondere durch die Einwohner dieses Landes, die so sehr durch den Balkankrieg geprüft sind.“

Einige Tage nach seiner Amtseinführung, am Hochfest des hl. Jakobus, dem Patron der Pfarre Medjugorje, richtete der Erzbischof am Ende des Gottesdienstes einige Worte an die Gläubigen: „Wir Bewohner von Medjugorje haben eine große Verantwortung gegenüber der ganzen Welt. Denn Medjugorje ist wahrhaft zum Weltmittelpunkt des Gebetes und der Bekehrung geworden, und aus diesem Grund hat sich der Hl. Vater dessen angenommen und mich hierher gesandt, um den Franziskanerpatres bei der Organisation der Aufnahme der Pilger an diesem Ort, der eine Quelle der Gnade ist, zu helfen.“

Bereits ein Jahr davor, am 5. April 2017, hatte Erzbischof Hoser, zu diesem Zeitpunkt noch Sonderbeauftragter des Papstes, im Rahmen einer Pressekonferenz betont, dass von Medjugorje ein Licht ausgehe, dessen die Welt bedürfe, eine Welt, die zerbreche und immer mehr in die Dunkelheit falle, um dann mit der Einladung zu schließen: „Ich lade alle ein, hierher zu kommen und die Größe Gottes zu entdecken.“ Später äußerte Erzbischof Hoser seine Überzeugung, dass die Erscheinungen anerkannt werden. „Denn es sei schwer zu glauben, dass sechs Seher seit 36 Jahren lügen würden“, so der Erzbischof.

Diese sechs ersten Zeugen der Ereignisse von Medjugorje berichten seit dem 24. Juni 1981 glaubhaft, dass ihnen die Muttergottes als die Königin des Friedens erscheint, um die Menschen zu Gebet, Umkehr, Versöhnung und Frieden aufzurufen. Die Nachricht von diesen außerordentlichen Ereignissen im kommunistischen Jugoslawien hatte sich sofort in windeseile verbreitet und schon am dritten Tag der Erscheinungen strömten Tausende Menschen auf den Berg Crnica, einen der Hügel, die Medjugorje umgeben. Zwischen Dornen und Granatäpfeln fielen die sechs Jugendlichen auf die Knie und erblickten die „wunderschöne Frau“. An diesem Tag nannte sie ihren Namen: „Ich bin die selige Jungfrau Maria“. Beim Abstieg vom Berg schaute Marija Pavlovic, eine der jugendlichen Seher, ein zweites Mal.an diesem Abend die Gottesmutter, die unter Tränen zu ihr sagte: „Friede, Friede, Friede und nur Friede. Zwischen Gott und Mensch soll wieder Friede herrschen. Der Friede soll unter den Menschen sein.“

Sehr schnell erkannte die politische Führung im damaligen Jugoslawien die Gefahr, die von diesem religiösen Phänomen auf einen totalitären Staat ausgehen könnte. So begann man, die Seher und deren Familien Schikanen auszusetzen, sie zu verfolgen und zu verhören. Doch selbst die Androhung von Strafen konnte die Jugendlichen nicht davon abhalten, Zeugnis von dem zu geben, was sie auf ganz außergewöhnliche Weise erleben durften. Viele der Dorfbewohner begannen, die Erscheinungen gläubig anzunehmen. Mitglieder der kommunistischen Partei verbrannten ihre Parteieausweise. In Anwesenheit des Ortspfarrers versprachen sich die Dorfbewohner in der Kirche von Medjugorje, dass sie jeglichen Streit vermeiden, täglich den Rosenkranz beten und wöchentlich bei Brot und Wasser fasten werden. Die Anwesenheit der Gospa, wie die Kroaten die Gottesmutter liebevoll nennen, erlebten sie als außerordentliches Geschenk, das ihrem Dorf und ihrer Pfarre zuteil geworden war. „Ihr seid für die Botschaften verantwortlich. Hier ist die Gnadenquelle und ihr, liebe Kinder, seid die Gefäße, die die Geschenke überbringen.“, wird einige Jahre später, am 8. Mai 1986, eine Botschaft an die Pfarre lauten. Pfarrer Jozo Zovko OFM, der zu Beginn der Erscheinungen eine Falle der Kommunisten gegen ihn vermutet hatte und erst später, nachdem ihm die Jugendlichen alles berichtet hatten, an die Authentizität der Ereignisse zu glauben begonnen hatte, wurde am 17. August 1981 von den Behörden verhaftet und im Oktober des selben Jahres in einem Scheinprozess zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Zugang zum Erscheinungs- und Kreuzberg wurde gesperrt und eine Volksmiliz zur Bewachung aufgestellt.

Doch die Ereignisse waren nicht zu stoppen. Aus der ganzen Welt begannen Gläubige und auch Neugierige den Ort in der Herzegowina zu besuchen. Viele von ihnen erfuhren eine tiefe Erneuerung ihres Glaubens und eine Umkehr zu Gott und begannen, ein sakramentales Leben zu führen. Medjugorje wird in den folgenden Jahren zum größten Beichtstuhl der Welt, wo Menschen in langen Schlangen vor den 60 Beichtstühlen geduldig warten, um das Sakrament der Versöhnung zu empfangen -viele von ihnen das ersten Mal nach langer Zeit.

„Ich bezeuge, dass meine Stola täglich nass geworden ist von den Tränen der vielen, denen ich nach Jahren oder Jahrzehnten die Beichte abnehmen durfte.“, bezeugt P. Karl Wallner, der bekannte Jugendseelsorger, Zisterzienserpater und Nationaldirektor der Missio Österreich, um dann fortzusetzen: „Ich kenne viele junge Paare, die von Medjugorje her die Weisheit und den Mut haben, ganz rein in die Ehe zu gehen. Ich kenne Familien, die durch Medjugorje zum Familiengebet motiviert wurden. Unter den Jugendlichen, die ich per Jugendbus nach Medjugorje begleiten durfte, waren jedes Jahr mehrere, die die Gnade einer geistlichen Berufung empfangen haben. Diesen Aufbruch, der in das Herz der Kirche führt, möchte ich als Priester nicht missen.“

Wallfahrten nach Medjugorje und die weltweiten Gebetstreffen wurden in den vergangenen 37 Jahren der Erscheinungen großteils von Laien organisiert. Offizielle Wallfahrten waren seit der Erklärung der Bischöfe Ex-Jugoslawiens im April 1991untersagt. Beichtpriester in Medjugorje waren rar und als Pilger auf einen Geistlichen zu treffen, der ihm in dessen Muttersprache die Beichte abnehmen konnte, ein reiner Glücksfall.

Mit seiner Entscheidung, Erzbischof Hoser als Apostolischen Visitator für Medjugorje zu ernennen, hat Papst Franziskus eine Türe weit geöffnet und den Gläubigen, Laien und Priestern, einen freien Zugang zur Erneuerung und Vertiefung ihres Glaubens geschenkt. Denn, wie Erzbischof Hoser kürzlich in Warschau sagte:

„Medjugorje ist die spirituelle Lunge Europas, ein Ort, an dem Million Menschen Gott und die Herrlichkeit der Kirche erfahren.“


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