Möge jedes neue Jahr in dir einen besseren Menschen vorfinden
Tausende Pilger erwarteten das Neue Jahr in Medjugorje mit Gebet, Gesang und der Feier der Heiligen Messe, die, wie es schon Tradition ist, um 23.30 Uhr in der Kirche des Hl. Jakobus begann.
Nach einem Dankesgottesdienst um 18 Uhr, dem der ehemalige Provinzial der herzegowinischen Franziskaner und frühere Pfarrer von Medjugorje, Pater Ivan Sesar vorstand, wurde von der Gemeinschaft Cenacolo vor der Pfarrkirche das „Lebendige Krippenspiel“ aufgeführt.
Die Heilige Messe um Mitternacht leitete Pater Jozo Grbeš, der derzeitige Provinzial der Herzegowinischen Franziskanerprovinz. In seiner Predigt betonte er, dass uns diese Nacht dazu einlade, über die Zeit und über uns selbst nachzudenken und uns daran zu erinnern, dass wir alle Pilger auf einem Weg seien, auf den man sich gut vorbereiten müsse, denn „der morgige Tag gehört denen, die sich heute vorbereiten“.
„Eine bessere Lebensweise bedeutet eine neue Art zu denken, und eine neue Art zu denken ist Frucht der Kraft des Geistes. Oder wie ein Weiser sagte: ‚Führe Krieg gegen deine Laster, lebe in Frieden mit deinen Nachbarn, und möge jedes neue Jahr in dir einen besseren Menschen vorfinden.‘ Wenn wir in dieser Nacht über die Zeit nachdenken“, so Pater Grbeš, „über das Geheimnis und die Größe der Zeit, über die Ewigkeit, über das Leben und über Gott, dann können wir verstehen, dass wir all dies nur mit einer demütigen und nicht mit einer hochmütigen Haltung begreifen können. Angesichts der Macht, der Zeit und der Geschwindigkeit des Vergänglichen muss der Mensch demütig sein, denn Abschiede sprechen von der Ewigkeit, und Ankünfte von der Liebe“, sagte Pater Jozo und stellte die Frage: „Was lehrt uns das Leben?“
In der Beantwortung dieser Frage führte er aus, dass er glaube, das Leben lehre uns die Liebe, denn die Liebe sei das Zentrum des Christentums, aber auch das Zentrum des Lebens im Universum, der vergangenen und der zukünftigen Zeit, während ihr Gegenteil, die Selbstsucht, die Quelle allen Übels sei.
„Der Mensch gelangt durch die Liebe zum Glauben, zur Erkenntnis des einen Gottes, wie der verstorbene Papst Benedikt XVI. sagte: ‚Glauben ist nichts anderes, als in der Dunkelheit der Welt die Hand Gottes zu berühren und so in der Stille das Wort zu hören und die Liebe zu erkennen.‘“
Dann rief Pater Jozo Grbeš die Gläubigen dazu auf, nicht dieselben zu bleiben, denn „der Status quo ist kein Freund des menschlichen Weges und auch nicht seiner Weisheit“. „Gehören wir zu denen, die Türen öffnen, verbinden, verknüpfen und die Welt schöner, besser, anders und vollkommener, mit mehr Liebe machen.“ „Leben wir nicht zu sehr in der Vergangenheit, denn die Vergangenheit hat nur die eine Aufgabe: Lehrmeisterin für die Zukunft zu sein. Sie darf uns aber nicht zur Last werden.“
In seinen Überlegungen rief er auch zur Dankbarkeit auf, denn „dankbare Menschen machen die Welt schön und angenehm, während jene, die nicht dankbar sind, sich über alles und jeden beklagen“ und „nicht das große Bild des Lebens sehen, sondern nur ein kleines, das von ihren Interessen und Bedürfnissen geprägt ist.“
„Heute Abend, in dieser Nacht des zeitlichen Übergangs, fragen wir uns: Welche Spuren werden wir im Neuen Jahr hinterlassen? Was ist wesentlich und was unwesentlich in unserem Leben? Was bin ich und wer bin ich, und was bin ich nicht und wer bin ich nicht? Bin ich eine Kopie oder das Original? Der Unterschied zwischen einer Kopie und dem Original zeigt sich im Unterschied zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem, zwischen Gutem und Schlechtem, zwischen Richtigem und Falschem“, sagte Pater Jozo Grbeš und erklärte, dass jede Haltung und jede Meinung ein Blick von einem bestimmten Winkel aus sei und dass jeder einen Standpunkt habe, von dem aus er die Welt sehe – die einzige Frage sei: „Wer formt unseren Standpunkt?“
„Wenn wir zulassen, dass Christus ihn formt, wird sich alles verändern. Deshalb ist dieser Abend eine Nacht neuer Anfänge. Wir wissen, dass Glauben Sehen bedeutet und dass Sehen Glauben bedeutet. Maria, diese einfache, sanfte, demütige Mutter, die Gottesmutter, lehrt uns, dass es so ist – so einfach, in der Stille und ohne Worte. Wenn wir uns heute Nacht entscheiden, mit ihr unterwegs zu sein, werden wir Christus danken und zu Menschen der Liebe werden. Für uns Christen ist das dringend nötig, in diesem Land, auf diesem Kontinent und auf jedem Kontinent. Gehen wir neu diesen Weg! Viele Menschen, die nach Medjugorje kommen, gehen seit 45 Jahren immer wieder neu auf diesem Weg. Sie werden es auch weiterhin tun, wie auch in dieser Neujahrsnacht, jene, die zurückkehren, ebenso wie jene, die auf Empfehlung derer, die von Medjugorje berichten, neu aufbrechen und zum ersten Mal hier sind“, so Pater Grbeš.
Der Beitrag erschien in voller Länge in der Zeitschrift OASE DES FRIEDENS, Nr. 2026/2


