Gedanken zur Botschaft vom 25.10.2018 – Pfarrer Norbert Orglmeister

Pfarrer Norbert Orglmeister
Gedanken zur Botschaft vom 25.10.2018

Pfarrer Norbert Orglmeister

Eine Zeit der Gnade für euch und die künftigen Generationen
Liebe Kinder!

Diese Botschaft beginnt mit derselben Anrede wie all die bisherigen: „Liebe Kinder!“ Bitte nehmen wir uns die Zeit, über diese Worte nicht einfach darüberzulesen wie über die Anrede in einem Serienbrief. Ganz besonders heute ist diese Anrede nicht einfach die gewohnte Einleitung, sondern ich darf mich tief im Herz angesprochen fühlen als ihr Kind, vielleicht besser gemeinsam als ihre Kinder. Dreimal wiederholt die Muttergottes in diesen wenigen Zeilen die Anrede „meine lieben Kinder“ oder „liebe Kinder“, dazu etwas versteckt dem Inhalt nach ein viertes Mal im vorletzten Satz: „Ich bin mit euch und liebe euch und segne euch mit meinem mütterlichen Segen.“ Wie ein roter Faden zieht sich dieses Kind-Sein oder Ihr-Kind-Sein durch die Botschaft: Grund genug, das vielleicht schon Gewohnte wieder neu und dankbar anzuschauen.

Gerade an den Sonntagen der letzten Wochen haben die Evangelien immer wieder daran erinnert, wie wichtig Jesus selbst die Kinder sind, und dass wir selber Kinder sein müssen „Da brachte man Kinder zu Jesus, damit er ihnen die Hände auflegte. … Da sagte er: Lasst die Kinder zu mir kommen. Hindert sie nicht daran! Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes. Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.“ (Mk 10, 13-16).
Am Fest der heiligen Schutzengel am 2. Oktober hörten wir: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen; wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Größte. Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf.“ (Mt 18, 1-5).
Ein Blick in das dritte Kapitel des Johannesevangeliums kann die Gedanken weiterführen: Niemand soll schrumpfen oder kindisch werden, aber ein Kind ist empfänglich für das, was man ihm in liebevoller Absicht zeigen will, wenn sich ein Erwachsener für es Zeit nimmt, oder für die kleinen Schönheiten in der Natur, die jungen Katzen und den Igel im Garten, oder die Kastanien und Zapfen im Park. Und ein Kind kann staunen über das Geheimnisvolle und ist empfänglich für das Heilige. Diese Empfänglichkeit oder eben diese Art von Kindlichkeit sind wichtig für das Reich Gottes und sie können einem Menschen bis ins Hohe Alter immer wieder aus der Gnade Gottes von neuem geschenkt werden. Die Muttergottes tut dabei in ihrer Liebe, in ihrem Für-uns-da-Sein einen Dienst, der jede menschliche Vorstellung übersteigt.

Deshalb rufe ich euch auf, meine lieben Kinder, betet mehr und öffnet euer Herz meinem Sohn Jesus.

Zugleich ist das Kindwerden immer ein Umkehren, ein immer neues Umkehren von Irrwegen, vom Bösen und ein Sichhinwenden zur Mutter, zu ihrer Klarheit, Helle und Stärke, zu ihrer Reinheit und Liebe. Deshalb „betet mehr und öffnet euer Herz meinem Sohn Jesus.“ Sie sagt auch das nicht zum ersten Mal. Sie erklärt heute nicht, wie wir genau beten sollen, denn das hat sie in früheren Botschaften immer wieder getan, und das muss reichen. Es geht ihr auch nicht um ein immer genaueres Wissen über das richtige Beten, sondern dass wir Tag für Tag es mit Liebe tun, solange bis uns das Gebet zur Freude wird. Am Anfang habe ich darauf aufmerksam gemacht, dass dieses Kind-Sein oder Ihr-Kind-Sein so ein roter Faden ist, der sich durch die heutige Botschaft zieht. Vielleicht ist das Kind-Sein vor ihr und vor Gott nicht nur ein roter Faden durch diese Botschaft, sondern für unser ganzes Christsein eine Nabelschnur, die Lebenskraft und Nahrung gibt.

Ihr habt die große Gnade, dass ihr durch die Botschaften, die ich euch gebe, zu einem neuen Leben aufgerufen seid.

Dies ist eine Zeit der Gnade, eine Zeit und ein Ruf zur Umkehr: Der Tag, den wir in ihrer Gegenwart erleben dürfen und den ich erleben darf, ist ein besonderes Geschenk, das zu vergeuden ewig schade wäre. Ich will immer neu dafür danken und – so gut ich kann – die Zeit nützen.
Dazu: Dies ist eine Zeit der Gnade. Gnade ist ein Geschenk, und in ihr lebt man mehr aus Liebe als nach einer geheimen Bedienungsanleitung, nach der man bloß funktioniert.

Dies ist eine Zeit der Gnade, eine Zeit und ein Ruf zur Umkehr für euch und die zukünftigen Generationen.

Für euch und die zukünftigen Generationen: Ich glaube, ich darf das einfach als eine Zusage der Treue der Gospa verstehen: Was ich euch versprochen habe, gilt auch für eure Kinder. Ich stehe zu meinem Wort, wie ich heute zu dem stehe, was ich euch vor dreißig und mehr Jahren gesagt habe. Treue und Zu-ihren-Kindern-Stehen ist etwas, in dem die Gospa uns Menschen hoch überlegen ist. Sie lädt uns ein, in ihrer Schule zu wachsen. Wir dürfen aber auch hoffen, dass unser Bemühen, die Botschaften zu leben, auch für unsere Kinder und die folgenden Generationen ihren mütterlichen Segen erwirkt. Es gibt viele schöne Zeugnisse, die dieses Weiterwirken auf die Nachkommen zeigen. Freilich gilt auch der Ruf zur Umkehr für die Nachkommen genauso wie für uns.

Ich bin mit euch und segne euch mit meinem mütterlichen Segen.

Vielleicht lassen wir zum Schluss noch den Satz „Ich bin mit euch und segne euch mit meinem mütterlichen Segen“ – das meint ihren persönlichen Segen, den nur sie geben kann – für einige Minuten ganz bewusst in unser Herz hinein. Ein Segen wirkt schon besser, wenn ich ihn bewusst zulasse und annehme.

Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid.

Noch einmal neigt sich die Muttergottes ganz tief zu uns herunter, in der Art des Sich-Bedankens, wie es Jesus als der Herr sonst nicht tut und auch nicht der Priester in der Liturgie. Wir bekommen noch einmal gesagt, dass es gut ist, dass wir da sind und trotz Fehler und Versagen uns bemühen, ihrem Ruf zu folgen.



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