Fasten in der Gemeinschaft Cenacolo
“ Und da geht es gar nicht um den Speck
oder die Schokolade, sondern um diese
innere Authentizität und Freiheit.“
Interview mit Bruder Georg
Das Leben in der Gemeinschaft Cenacolo ist inspiriert und durchdrungen von den Botschaften der Königin des Friedens, mit denen sie seit fast 45 Jahren die Menschen zum Frieden aufruft. Über das konkrete Fasten in der Gemeinschaft Cenacolo und die Fastenerfahrung als Weg der Versöhnung sprachen wir mit Bruder Georg Schwarz, dem Leiter des Hauses „Mutter der Guten Hoffnung“ im burgenländischen Kleinfrauenhaid
Lieber Georg, die Fastenzeit ist ein besonderer Ansporn, sich zu ändern. Daran hat uns die Königin des Friedens schon in den ersten Jahren ihres Kommens in Medjugorje erinnert. Das geistliche Leben in der Gemeinschaft Cenacolo wird von den Botschaften der Gospa (kroatisch für Gottesmutter, Anm. d. Red.) geprägt und durchdrungen. Viele von denen aber, die heute bei euch mitleben, sind dem Wort Fasten überhaupt erst in der Gemeinschaft begegnet. Kannst Du uns etwas davon berichten, wie ihr in der Gemeinschaft fastet und die Fastenzeit lebt?
Ich bin der Georg, wie Du schon gesagt hast, und ich bin schon lange in der Gemeinschaft. Früher war ich alkoholabhängig. Damals habe ich nur Traurigkeit und Zorn, eine Finsternis im Herzen, gespürt. Dann bin ich in die Gemeinschaft gekommen und Mutter Elvira, der Gründerin der Gemeinschaft Cenacolo, begegnet. Sie hat tiefer in mein Herz geblickt, hinter die Substanzen, den Alkohol, den ich zu mir nahm. Sie konnte tiefer schauen, weil sie die Muttergottes und Jesus geliebt hat. Und sie hat auch den Mut gehabt, uns zu begleiten, was ja nicht einfach ist. Denn wir wissen das alle aus eigener Erfahrung, wie man rebelliert, wenn uns irgendwie der Spiegel vorgehalten wird. Eigentlich könnte man sagen, dass der Weg in der Gemeinschaft eine Art Fastenzeit ist: Ich entscheide mich, einige Jahre in diese Gemeinschaft Cenacolo zu kommen, dann habe ich schon ja gesagt, dass ich nicht immer im Internet bin, nicht Fernsehen schaue und nicht alle Bequemlichkeiten habe. Ich denke, unser Weg ist schon ein Gnadenweg. Und die Fastenzeit mit den Lesungen und den liturgischen Farben sind dann noch einmal besondere Wochen in dieser Gnadenzeit. Sie laden uns ein, ein bisschen Ballast und Unnötiges abzuwerfen und sich ein wenig in der Unterscheidung der Geister zu üben. Und das führt uns dann zum Wesentlichen, wenn wir unseren Zorn und unsere Traurigkeit erkennen und Jesus anvertrauen, seine Vergebung und Barmherzigkeit erfahren und die Gottesmutter an unserer Seite haben, besonders beim Rosenkranzgebet, dreimal täglich. Das gibt uns die Kraft, diesen Weg zu gehen. Natürlich sind diese 40 Tage der Fastenzeit eine Herausforderung, wenn ich jetzt für mich spreche. Es kostet immer ein bisschen Überwindung. Wenn man die ersten Tage, die erste Woche geschafft hat und einmal drinnen ist, dann merkt man, wie viel neues Leben entsteht, indem man loslässt.
Wie gestaltet ihr die Fastenzeit konkret? Es sind ganz einfache Dinge, die viele bei uns tun, rein physisch, indem sie auf Süßigkeiten verzichten oder auf den Kaffee.
Wir trinken ohnehin nur einen Espresso nach dem Essen, aber auf den verzichten wir dann auch. Wenn man schon in der Gemeinschaft lebt und auf Verschiedenes verzichtet, ist das nochmal eine Herausforderung. Aber die Burschen nehmen diese Hürde gerne, weil sie merken, dass es ihnen auch wieder hilft. Mutter Elvira hat viel über die Selbstbeherrschung gesprochen, was uns Süchtigen oft nicht gelungen ist. Heute sagen wir ganz bewusst: „Nein, danke, ich nehme das jetzt nicht!“, sei es beim Kaffee oder den Süßigkeiten oder etwas anderem. Wenn jemand erst ganz kurz in der Gemeinschaft ist, gibt es natürlich immer wieder Ausnahmen. Denn das alles ist nicht in Stein gemeißelt. Aber wir schlagen vor, auf etwas zu verzichten. Wie gestaltet ihr die Freitage? Ich nehme an, das sind die besonderen Fasttage. Am Freitag fahren wir auch die normalen Mahlzeiten herunter. In der Früh verzichten wir auf die Marmelade, die Butter, also nur Milchkaffee mit Brot oder Tee, und dann gibt es natürlich einzelne Jungs, die sagen, sie wollen darauf auch verzichten. Im Großen und Ganzen ein gut gelebter christlicher Freitag. Wenn Neue da sind, kochen wir ihnen Nudeln und etwas dazu. Aber die anderen wollen meist nur Tee und Brot. Es liegt aber in aller Freiheit des Einzelnen, in seiner freien Entscheidung, die die Jungs aber sehr gerne machen.
Am Nachmittag backen wir dann frisches Brot, worüber sich alle freuen. Das essen wir dann aus ganzem Herzen gern. Wir nennen den Freitag auch immer den Generalputz-Tag, an dem wir das ganze Haus putzen, jeden Winkel, auch die Küche, weil ja der Ofen nicht eingeheizt ist. Es ist wirklich erstaunlich, wie das auch innerlich verändert. Da merkt man zum Beispiel, wenn man zwischenmenschliche Probleme hat, dass man sich mit jemandem nicht ausgesprochen hat oder jemanden verurteilt hat.
Die Fasttage sind immer eine komplette Erneuerung der Freundschaft unter uns. Die Beziehungen werden dadurch erneuert. Man kommt vielleicht ein bisschen an seine Grenzen, ist nervös, weil man nicht essen kann, der Kaffee nicht da ist. Aber genau da sieht man auch, wo wirklich die Probleme liegen, wo man den anderen nicht annehmen kann, und diese Erfahrung ist viel tiefer als die beim Alkohol oder bei den Drogen. Es sind Erfahrungen, die oft schon im Elternhaus und unter den Geschwistern begonnen haben, wie zum Beispiel Neid und Eifersucht. Die Fastenzeit ist da wieder eine Zeit, die manches an die Oberfläche bringt, aber nicht, dass wir verzweifeln, sondern dass wir sagen: „Okay, das ist ein Schwachpunkt, das lege ich dem Herrn im Gebet hin, darüber kann ich mit meinen Geschwistern, Brüdern reden, um da eben rein und stärker zu werden.“
An so einem Freitag beten wir um 15.00 Uhr den Rosenkranz, dann den Kreuzweg, den wir im Freien beten, egal ob im Schnee oder Regen. Wir stellen Kreuze auf und gehen von einer Station zur anderen, alle 14 Stationen. Jeder kommt dann mit seinen Bitten und Gebeten. Das ist oft sehr berührend, zum Beispiel wenn jemand bei der Station, bei der Maria weint, Jesus um Vergebung bittet, weil seine eigene Mutter oft um ihn geweint hat, ihn gesucht hat in den Tagen, die er nicht da war. Alle diese Stationen zeigen ja immer auch etwas von uns und unserem persönlichen Umgang miteinander. Das geht wirklich in die Tiefe. Wir singen dann immer ein Lied zwischendurch. Und dann gibt es aber auch viele, die ganz bewusst Danke sagen, Danke, dass ich heute leben darf, dass ich neu beginnen darf. Am Abend solcher Tage schauen wir uns dann manchmal einen Film über Heilige und deren Leben an, obwohl wir sonst nicht fernsehen. Der Freitag ist als Fasttag allgemein üblich. Viele halten aber auch den Mittwoch freiwillig als Fasttag.
Die Zeit im Cenacolo ist ja eigentlich, wie Du schon gesagt hast, eine Fastenzeit. Was motiviert euch, auf vieles zu verzichten, wie zum Beispiel auf Zigaretten, die in den ersten Jahren der Gemeinschaft alle damals Anwesenden in einem Lagerfeuer verbrannt haben? Wie konnte Mutter Elvira die Burschen dazu bewegen?
Das Spannende ist, sie hat das alles erst gelernt. Sie hat nicht von vorhinein Regeln aufgestellt und gesagt, dass wir sie einhalten müssen, sondern hat von uns gelernt. Damals, mit den Zigaretten, haben die Jungs selber gesagt: „Mutter Elvira, können wir diese Zeit nicht intensiver leben?“ Dann haben sie ein Lagerfeuer gemacht und alle Zigaretten hineingeworfen. Mutter Elvira hat gesagt, wer das nicht will, muss es nicht machen. Das ist kein Zwang. Aber die Burschen wollten das probieren. Und dann haben aber viele gesagt, das wollen wir so durchziehen, und sie haben gemerkt, es geht auch ohne Zigaretten.
Ich denke, es kommt wieder Freude ins Leben, wenn ich erfahre, dass ich nicht mehr Sklave meiner Süchte und Eigenartigkeiten bin. Und dann hat sich das weiterentwickelt und man hat gesagt: „Das Fernsehen, wir haben uns so viele Filme angeschaut und schlechte Musik gehört. Also wir können probieren, das auf ein Minimum herunterzufahren.
“ Und was ist passiert? Ich denke, wir sehen heute oft in der Welt, dass wir alles haben und nicht glücklich sind. Und in der Gemeinschaft muss ich vieles gar nicht haben, aber die Freude kommt von innen heraus. Oft bemerke ich, wie die Jungs durch den Verzicht innerlich stark werden. Manche verzichten sogar auf Warmwasser beim Duschen. Ich mache das auch so. Kalt duschen ist eine Herausforderung. Natürlich könnte ich den Hebel etwas zur Seite drehen, und dann käme warmes Wasser heraus. Es liegt so nah beieinander.
Mutter Elvira sagte uns: „Versuche in der Früh, in den Spiegel zu lächeln.“ Dann haben alle geantwortet: „Wieso soll ich lächeln, wenn keiner da ist?“ „Aber du bist da“, beharrte Mutter Elvira.
So oft geht es uns nicht gut, weil wir nicht authentisch mit uns selbst sind. Und diese Übungen wie kaltes Duschen, ohne den Wasserhahn zur Seite zu drehen, oder die Speisekammer in der Fastenzeit sauber machen und dort nicht Schokolade oder Nutella zu essen, sondern „Nein, danke!“ zu sagen, machen stark. Und wenn es mir passiert, und das passiert ja immer wieder, dass wir nicht stark sind und umfallen, dann ist es immer schön zu sehen, wenn dann Burschen sagen: „Ich möchte jetzt um Entschuldigung bitten.“
Das passiert bei uns eigentlich ständig, dass jemand am Tisch aufsteht und zum Beispiel sagt: „Die Vase, die damals zerbrochen wurde, das war ich.“ Oder „Während wir gefastet haben, habe ich in der Küche gearbeitet und ein Stück Speck genommen.“ Und da geht es gar nicht um den Speck oder die Schokolade, sondern um diese innere Authentizität und Freiheit.
Für die einzelnen Wochen in der Fastenzeit haben wir Aufgaben, auf die wir uns fokussieren. Da bemühen wir uns zum Beispiel in der ersten Woche, unsere Freundschaften aufzufrischen. Vielleicht habe ich darin zu selektieren begonnen – „ich setze mich nur neben den hin, der mir bequem ist, und den anderen, den mag ich nicht, da setze ich mich nicht hin“. Wir erinnern uns, ganz bewusst zu sagen: „Mit dem habe ich schon lange kein richtiges Gespräch mehr gehabt. Das will ich ändern.“ Das passiert ja auch oft in den Familien, man lebt nebeneinander, aber nicht miteinander. Wir versuchen also, in dieser Woche wieder ganz bewusst miteinander reden zu lernen.
Und die Woche darauf haben wir die Aufgabe, uns ganz bewusst zu bemühen, nicht zu verurteilen. Das geht ja so schnell, besonders wenn es einem nicht gut geht. Daran sind dann die anderen schuld. Da merken wir oft, dass das gar nicht stimmt, sondern dass wir selbst vielleicht etwas träge oder faul geworden sind.
So versuchen wir, uns jede Woche auf etwas zu fokussieren – die Freundschaft, das Gespräch. Und je weiter es dann zu Ostern hingeht, desto mehr erfahren wir, wie wir wieder auferstehen und durch das Wenige stärker werden und Freude haben.
Und Mutter Elvira hat uns diese Freude vorgelebt, wenn sie getanzt und uns umarmt hat. Denn wenn unsere Verzichte und Aufgaben der Fastenzeit nicht in die Freude münden würden, in die christliche Osterfreude, in die Freude des Lebens, dann würde das keiner auf sich nehmen. Aber wenn das Ziel groß genug ist, dann geschieht das wie selbstverständlich, und diejenigen, die es schon einmal gemacht haben, möchten es wieder so machen.
Ich glaube, es ist wichtig, wenn Eltern dieses Vorbild leben. Denn es ist schön für die Kinder, in ihre Fußstapfen zu treten und zu sagen, dass es sich lohnt, die Mühe auf sich zu nehmen.
Die Gemeinschaft ist sehr mit den Erscheinungen der Gospa in Medjugorje verbunden. Mutter Elvira hat oft gesagt, dass sie die Burschen und die jungen Frauen, die eine Zeitlang im Haus in Medjugorje verbracht haben, am Ausdruck ihrer Augen erkennt. Ich habe den Eindruck, dass ihr versucht, die Botschaften der Königin des Friedens, die Einladung zum Rosenkranzgebet, zum Fasten und zur Versöhnung sehr bewusst in eurer Gemeinschaft zu leben. Sehe ich das richtig?
Ich glaube, ganz, ganz viel in unserer Gemeinschaft Cenacolo ist von der Gospa inspiriert. Die Gemeinschaft war zuerst in Italien, und von dort ist Mutter Elvira mit ihren Burschen zu einer Wallfahrt nach Medjugorje aufgebrochen und dann immer und immer wieder hingefahren. Warum? Weil sie gemerkt hat, es ist da etwas Besonderes, was an diesem Ort im Herzen passiert. Und dann hat es die Vorsehung ermöglicht, einige kleine Zelte dort aufzustellen. Heute ist daraus das wunderschöne Campo della Vita und das Campo della Gioia geworden, wo Burschen und Mädchen leben. Aber auch, dass wir drei Rosenkränze beten, ist, wie vieles andere, durch Medjugorje inspiriert, dann die Freundschaften zu den Sehern, und besonders auch die Botschaften, wie du sagst, die uns die Gottesmutter bis heute gibt. Da glaube ich, dass Mutter Elvira sehr davon inspiriert wurde.
Ich sehe das ja selber: Wenn ich einmal viel zu tun habe und unterwegs bin und wir den Rosenkranz nicht miteinander beten, dann ist der Tag anders. Das heißt nicht, dass das eine Abhängigkeit wäre, aber es fehlt ein bisschen die Kraft. Wir beten ja den Rosenkranz in der Früh, am Nachmittag und am Abend, das ganze Jahr hindurch. Das ist jetzt auch ein Teil in der Fastenzeit, wenn wir sagen, dass wir den Rosenkranz wieder bewusster beten wollen.
Und ich denke, weil Mutter Elvira und die Burschen schon so früh in Medjugorje waren, sind diese Botschaften des Fastens, Betens, der Wahrheit und der Bekehrung heute fundamental auch für unsere Gemeinschaft in all unseren 70 Häusern weltweit. Ich glaube, dass da ganz viel von dieser Spiritualität eingeflossen ist. Ich denke, dass Medjugorje eine richtige Quelle für die Gemeinschaft Cenacolo ist.
Mutter Elvira hat sich davon ganz inspirieren lassen. Wir können uns alle erinnern an die großartigen Jugendtreffen in Medjugorje, bei denen sie die jungen Menschen begeistert hat. Ich glaube, sie hatte eine ganz intime Freundschaft zur Gospa, die wir alle bei ihr gespürt haben. Man hat das Gefühl gehabt, dass, wenn Mutter Elvira von der Gottesmutter gesprochen hat oder wenn sie gar nicht gesprochen hat, sie ihre beste Freundin ist. Diese Mütterlichkeit ist bei Mutter Elvira so stark in den Vordergrund gekommen eben durch diese Freundschaft mit der Gottesmutter.
Und das ist natürlich ein riesiges Fundament für uns alle heute. Denn wenn Mutter Elvira heute im Himmel ist, dann wissen wir, wir können viel erbitten, so wie wir es jeden Tag im Rosenkranzgebet auch tun. Und die Jungs selber sagen uns das.
Sie sagen: „Schau, wenn ich bete oder zur Anbetung gehe, geht es mir einfach besser.“ Das ist nicht etwas Theoretisches oder Erzwungenes. Es ist die Realität, die wir ständig hören. Und jeder von uns macht diese Erfahrung, wenn er die Botschaft von Medjugorje, das Fasten und das Rosenkranzgebet, lebt. Und dann die Beichte und die Bekehrung. Ich erinnere mich, wie wir mit Mutter Elvira den Kreuzweg auf den Krizevac gebetet haben, die einzelnen Stationen, und wie sie das erlebt hat, nicht nur mit Worten, sondern mit dem Herzen.
Die Gospa sagt: „Ich bringe euch den Frieden.“ Vor kurzem hat die Gemeinschaft Cenacolo ein Haus, einen Container, in der Ukraine eröffnet, wohin bereits junge Menschen aus der Gegend kommen und Hilfe suchen. Ist das ein Zeichen, den Frieden zu bringen?
Genau. Der Friede ist ja nicht nur, wie Mutter Elvira immer sagte, ein Friedhofsfrieden, wo man nichts mehr machen kann, sondern er ist zugleich Widerspruch, Protest. Die Gospa ist die Königin des Friedens, und vieles wäre nicht möglich ohne Gebet, allein wenn du denkst, dass in unserem Haus in Kleinfrauenhaid Burschen aus sieben, acht, neun verschiedenen Nationen zusammenleben. Wenn wir aufhören, dafür zu kämpfen und uns einzusetzen, uns zu bemühen, dann ist er nicht mehr da. Und dieses Miteinanderleben in der Gemeinschaft ist wirklich eine Schule des Friedens, dass wir uns gegenseitig um Vergebung bitten und „Danke!“ sagen.
Und ich bin überzeugt, dass es keinen Frieden gibt, wenn wir nicht auch verlieren können, wenn ich nicht nachgeben kann. Das weiß jeder, der verheiratet ist ,jeder, der in einer Beziehung lebt – wenn ich nicht nachgeben kann, dann kracht es irgendwann.
Und diese Schule der Gospa und von Mutter Elvira wollen wir ganz konkret umsetzen, indem wir ein Miteinanderleben im Frieden lernen. Wie du gesagt hast, haben wir eine Gruppe von acht bis zehn Burschen, mit einem Priester, dem Don Hubert, in der Ukraine. Zum Jahreswechsel war auch Pater Stefano kurz dort. Das Haus, in dem wir dort miteinander leben, heißt „Speranza Viva“, „Lebendige Hoffnung“. Burschen aus verschiedenen Ländern leben dort zusammen und zeigen den Menschen, dass Frieden möglich ist. Wenn die Leute uns sehen, weinen sie vor Freude, weil sie eine Hoffnung spüren. Burschen haben mir erzählt, dass die Mütter bei den Elterntreffen in Tränen ausbrechen, weil sie Hoffnung auf gelebten Frieden haben. Und wir können dort nichts Großes machen, aber vielleicht ist das das Große in den Augen Gottes, dass wir dort sind.
Versuchen wir, miteinander in Frieden zu leben, nachgeben, „verlieren“ zu können, um des Friedens willen. Das heißt nicht, dass ich mich demütigen muss und dass ich die anderen über mich „drüber gehen“ lassen muss. Nein, überhaupt nicht.
Mutter Elvira ist nicht müde geworden, uns zu sagen: „Schau, auch wenn der andere vielleicht nicht Recht hat, aber Du denk noch einmal nach, geh ins Gebet und dann rede mit ihm darüber.
Und die Wahrheit wird sich dann zeigen. Und ich glaube, das Haus in der Ukraine ist jetzt in dieser Zeit so eine kleine Flamme, wie Pater Stefano immer sagt: „Auch eine kleine Kerze macht ein großes Licht in einer ganz finsteren Stube.“ Und Cenacolo ist jetzt vielleicht wirklich dieses Licht in der Ukraine, und man merkt, wie die Leute Durst und Sehnsucht haben nach dem gelebten Frieden.
Aber nicht nur in der Ukraine, sondern auch in der Familie und im eigenen Herzen ist es manchmal nicht leicht, den Frieden zu haben. Und ich glaube, dass diese Schule der Gottesmutter uns alle einlädt, den Frieden zu leben, damit der Friede auch wieder in die Welt kommt
Immer wieder berichten Priester, wie sie die Beichtgnade in Medjugorje neu erfahren. Medjugorje wird auch als einer der größten Beichtstühle der Welt bezeichnet. Hatten Sie während Ihres Aufenthaltes in Medjugorje Zeit zum Beichthören und können Sie das bestätigen?
Ja, das kann ich bestätigen. Ich hatte, kann man sagen, durch intensive Beichtgespräche mit Personen aus aller Welt viel Arbeit. Die Menschen finden dort den Weg zu einem Neuanfang oder erfahren das Sakrament als Bestärkung. Ich habe mich gefreut, wie viele junge Leute zum Jahreswechsel aus verschiedenen Ländern ganz intensiv dabei waren.
Auch mich persönlich erstaunt immer wieder der Anblick so vieler junger Menschen in Medjugorje, wie zum Beispiel bei der Vigil in der Silvesternacht und in den Tagen um den Jahresbeginn. Wenn die Marienverehrung offiziell im Leben der Menschen in den deutschsprachigen Ländern immer weniger Platz zu finden scheint, beweist Medjugorje gerade das Gegenteil – dass nämlich junge Menschen durch Maria zum Glauben an Jesus finden. Wie haben Sie das erlebt?
Ich erlebe seit langem bei Menschen, die sich Gott nähern, dass sie von Maria zur Begegnung mit Christus geführt werden. In Medjugorje findet sich das, was zentral für die Begründung im Glauben ist, und das ist ein intensives Gebetsleben, wobei der Rosenkranz ganz im Vordergrund steht, dann die Eucharistische Anbetung, die Merkmal aller neuen geistlichen Aufbrüche ist. Ganz zentral ist die Eucharistiefeier als Höhe- und Ausgangspunkt und Quelle christlichen Lebens, dann die Beichte immer mit dem Bemühen, das Leben christlich zu gestalten und umzukehren. Und das führt zum Frieden, der im eigenen Herzen beginnt. Man kann das bei vielen neuen Aufbruchsbewegungen der letzten Jahrzehnte sehen. Ich bin davon überzeugt, dass die Erneuerung der Kirche auf diese Weise geschehen wird. Und Medjugorje hat dieses Programm.
Kardinal Schönborn hat Medjugorje zum Jahreswechsel 2009/2010 besucht. In einem Interview mit der OASE berichtete er später, wie überzeugend ein Moment am frühen Morgen für ihn war, als ihm Marija Pavlovic am Fuße des Erscheinungsberges erzählt hat, wie sie als Jugendliche hinaufgeschaut und oben die Gospa gesehen hat. Gab es auch für Sie einen solchen besonderen Moment in Medjugorje?
Für mich ist ganz im Vordergrund die Wahrnehmung der vielen Menschen gestanden, die beten, die das Bußsakrament empfangen, und die freudige Atmosphäre, die auch in meiner Gruppe entstanden ist, in der mehrere Personen mit sehr schwierigen Lebensgeschichten dabei waren und auch manche, die nach vielen Jahren zum ersten Mal das Bußsakrament neu empfangen haben, wie man mir erzählt hat. Diese Atmosphäre des Glaubens hat mich am meisten beeindruckt.
Ich durfte Marija Pavlovic kurz kennen lernen. Ich war auch dabei, als am Sonntagnachmittag die Erscheinung war. Ich möchte dazu nicht Stellung nehmen. Aber ich habe von ihr einen sehr guten Eindruck – eine glaubensfrohe und ausgeglichen wirkende Person. Es ist nicht meine Aufgabe, ein Urteil zu sprechen, aber ich denke, die ganze Atmosphäre und die Früchte, da man da sieht, kann man nicht einfach wegstecken, und ich glaube, dass das ein schönes Zeichen für unsere Zeit ist.


